AI SHIFT – Künstliche Intelligenz für einen nachhaltigen Wandel von Architektur und Kommunikation?
Vom Experiment zur Anwendung: KI hat das Potenzial, in reale Planungsprozesse einzugreifen. Ein Gespräch mit Prof. Jan R. Krause und Studierenden des AMM-Masterstudiengangs im Vorfeld des 19. AMM-Symposiums am 10. April in Bochum.
Nicht ob, sondern wie: KI als Werkzeug für nachhaltige Planung und Kommunikation
Seit 2024 veranstaltet der Masterstudiengang „Architektur Media Management“ der Hochschule Bochum jährlich eine Konferenz zum Thema Künstliche Intelligenz in der Architektur. Im ersten Jahr stand im Vordergrund, welche Anwendungen sich im Entwurf, in der Kostenermittlung und in der Vermarktung konkret nutzen lassen. 2025 rückten rechtliche Fragen, Datenethik und Nachhaltigkeit stärker in den Fokus. Für 2026 verschiebt sich der Schwerpunkt erneut. Diskutiert wird nicht nur, wie KI nachhaltiges Planen unterstützen kann – etwa bei Materialbewertung oder CO₂-Bilanzierung –, sondern auch, welche Ressourcen der Einsatz dieser Systeme selbst beansprucht.
Die Frage ist nicht mehr, ob Planungsbüros mit Künstlicher Intelligenz arbeiten, sondern wie sie damit umgehen. Im Gespräch mit Prof. Jan R. Krause und den Studierenden des Masterstudiengangs „Architektur Media Management“ wird deutlich, dass es nicht mehr um die grundsätzliche Entscheidung für oder gegen KI geht, sondern um ihren fachlich verantwortbaren Einsatz. Krause beschreibt die Verschiebung im Planungsprozess wie folgt: „Wir suchen nicht mehr, sondern wir finden – und müssen das Gefundene verifizieren.“ Früher stand die Analyse am Anfang eines Projekts. Heute können Systeme auf Basis weniger Parameter Entwürfe, Varianten oder erste Bewertungskennzahlen generieren. Die Prüfung erfolgt anschließend. Entscheidend ist dabei weniger die Verfügbarkeit der Systeme als die Einordnung der Ergebnisse. Wer nicht versteht, wie ein Modell trainiert wurde und welche Annahmen in den Daten stecken, kann die Qualität der Resultate kaum beurteilen. Damit verändert sich die Rolle der Planenden, denn „der eigene Analyse-Recherche-Bewertungsprozess ist jetzt plötzlich nachgelagert“. Sie müssen zunächst Ziele formulieren, Kriterien entwickeln und dann Fragen stellen, um anschließend die generierten Vorschläge fachlich bewerten zu können. Krause versteht KI in diesem Zusammenhang nicht nur als ein weiteres digitales Werkzeug wie CAD oder BIM, sondern als „Sparringpartner“, der wie ein neuer Mitarbeitender trainiert werden muss.
Die Entwicklungskurve ist steil
Im Gespräch fällt auch auf, wie schnell sich der Diskurs verschoben hat. Vor drei Jahren stand die KI zur Bildgenerierung im Zentrum. Man experimentierte und lotete Möglichkeiten aus, um die Systeme herauszufordern. Inzwischen geht es um etwas anderes. KI wird dort interessant, wo sie in Leistungsphasen eingreift, die lange als besonders aufwendig galten. Dazu zählen Kostenermittlung, Nachhaltigkeitsbewertung oder der Abgleich mit Normen und Baurecht. Wenn Entwurfsentscheidungen bereits in einem frühen Stadium und anhand einer großen Anzahl von Varianten auf ihre finanziellen oder ökologischen Auswirkungen hin überprüft werden können, verändert das die Planungslogik. Damit wächst die Verantwortung, diese Zahlen im komplexen Zusammenspiel auch richtig einzusetzen. Denn eine Kennzahl kann kein fachliches Urteil oder Erfahrungswissen ersetzen. Gleichzeitig gibt es in Deutschland interessante technologische Entwicklungen von Startups für KI im Nachhaltigkeitsbereich, wie die AMM-Studierenden in ihren Recherchen ermittelt haben.
Für kleinere und mittlere Büros ist diese Entwicklung ambivalent. KI verspricht Effizienz, gleichzeitig fehlt oft die Zeit für eine strukturierte Einführung. Im Gespräch ist mehrfach von Überforderung die Rede. Vor diesem Hintergrund werden die Symposien als Orientierungshilfe verstanden – als Gelegenheit, Chancen und Grenzen gebündelt zu diskutieren. Damit berührt das Gespräch zwangsläufig die Nachhaltigkeitsfrage. Nicht nur im Sinne nachhaltiger Gebäude, sondern auch im Sinne nachhaltiger Prozesse. Während in Entwurfsstudios Materialreste sortiert und wiederverwendet werden, verbrauchen rechenintensive Systeme erhebliche Energieressourcen.
19. AMM-Symposium „AI SHIFT“ an der Hochschule Bochum
Das 19. AMM-Symposium greift diese Entwicklung auf. Unter dem Titel „AI SHIFT“ wird am 10. April in der Bluebox Bochum diskutiert, wie sich KI konkret in Entwurfs- und Bewertungsprozesse integrieren lässt – und wo ihre Grenzen liegen. Das Programm bündelt zentrale Themenfelder, die derzeit den KI-Diskurs in der Architektur prägen. Vertreterinnen und Vertreter aus Kammern, Baukulturinstitutionen und Fachmedien diskutieren, wie sich das Berufsbild unter digitalen Bedingungen verändert und wie verbreitet KI-Anwendungen in Architekturbüros inzwischen sind. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf nachhaltigen Entwurfsstrategien. Expertinnen und Experten aus Forschung und Praxis zeigen, wie KI in der Entwicklung ressourcenschonender Gebäudekonzepte eingesetzt wird – vom Neubau bis zum Bauen im Bestand. International tätige Architekturbüros geben Einblicke in datengestützte Entwurfsprozesse und deren organisatorische Einbindung. Zugleich wird die Frage nach dem Energiebedarf von KI-Systemen selbst in die Diskussion eingebracht. Ergänzt wird das Vortragsprogramm durch Workshops im AI Lab der Bluebox. Dort werden u.a. Anwendungen zur entwurfsbegleitenden Kostenschätzung, Nachhaltigkeitsbewertung und Visualisierung vorgestellt und diskutiert.
Organisiert und moderiert wird die Konferenz (hybrid in Präsenz und Online-Teilnahme) als Reallabor von den Studierenden des Masterstudiengangs Architektur Media Management AMM unter Leitung von Prof. Jan R. Krause. Das Symposium ist als Fortbildungsveranstaltung bei der Architektenkammer NRW angemeldet. Die Teilnahme ist kostenlos.