Barrierefreiheit Beratung & Kontakt Sprache auswählen: EN

Vom digitalen Modell zur gebauten Realität: Shenzhen Science & Technology Museum

Ein futuristisches längliches und abgerundetes Gebäude, welches in Grünanlagen und Straßenzüge eingebettet liegt. Im Hintergrund eine Hochhaus-Skyline.

Ein Museum als Schnittstelle zwischen digitalem Entwurf und gebauter Realität: Das Shenzhen Science & Technology Museum zeigt, wie BIM, Simulation und robotische Fertigung Architektur neu definieren. Ein Projekt, das digitale Präzision konsequent in gebaute Form übersetzt.

Zentrum für Wissen, Forschung und Vernetzung

Das von Zaha Hadid Architects entworfene Shenzhen Science & Technology Museum ist als zentraler Wissens- und Innovationsbaustein im neu entstehenden Guangming District konzipiert. In unmittelbarer Nähe zur Metrostation und als Gelenk zwischen Stadt und Science Park übernimmt das Gebäude eine städtebauliche Scharnierfunktion. Als bedeutender Besuchermagnet der Greater Bay Area ist es zugleich Teil eines regionalen Netzwerks aus Technologieunternehmen, Universitäten und Forschungseinrichtungen. Der zur Stadt gerichtete, kompakte Baukörper markiert einen klaren urbanen Ankerpunkt, während sich die Struktur parkseitig in eine Abfolge von Terrassen und begehbaren Ebenen auflöst. Diese verzahnen Ausstellungsflächen, Aufenthaltsbereiche und Landschaft miteinander und fungieren zugleich als funktionale Erweiterung der um das Atrium organisierten Innenräume.

Die innere Organisation folgt diesem Ansatz: Das zentrale Atrium fungiert als räumliches Orientierungssystem, aus dem sich Galerien, Theater, Forschungs- und Bildungsbereiche entwickeln. Mit seiner großflächigen Verglasung zum Park hin löst es die Grenze zwischen Innen- und Außenraum bewusst auf und bildet den Ausgangspunkt für die Besucherführung. Die daraus resultierende formale und funktionale Komplexität ist kein dekoratives Mittel, sondern Voraussetzung für einen Entwurfsprozess, der von Beginn an auf digitale Präzision und Prozessintegration angewiesen ist.

Ein futuristisches längliches und abgerundetes Gebäude, welches in Grünanlagen und Straßenzüge eingebettet liegt. Im Hintergrund eine Hochhaus-Skyline.
© Virgile Simon Bertrand
Ein futuristisches Gebäude, bestehend aus mehreren Ebenen, liegt über einem stufigen begrünten Hang und reflektiert silbern in der Abendsonne.
© Virgile Simon Bertrand

BIM als Entwurfs- und Entscheidungsinstrument

Bereits in der Entwurfsphase wurde BIM als verbindendes Arbeitsinstrument eingesetzt, das internationale Planungsteams und lokale Partner in einem gemeinsamen digitalen Modell zusammenführte. Unterschiedliche Softwareumgebungen, Entwurfsansätze und Fachdisziplinen wurden in einem konsistenten Datenmodell koordiniert. Dadurch wurden räumliche Abhängigkeiten, konstruktive Randbedingungen und Nutzungsanforderungen frühzeitig überprüfbar. Parallel dazu kamen computergestützte Umwelt- und Klimasimulationen zum Einsatz, mit denen die Gebäudeform, die Orientierung, die Terrassierung und der Fassadenaufbau im Hinblick auf Sonneneinstrahlung, Wind, Feuchte und den thermischen Komfort des subtropischen Standorts optimiert wurden.

Dieser Ansatz war prägend für die Entwicklung der Gebäudehülle mit ihren mehr als 90.000 individuell geformten Edelstahlpaneelen. Deren Geometrie, Krümmung und Systematik wurden im BIM-Modell parametrisch analysiert und optimiert. Das digitale Modell diente dabei als Entscheidungsinstrument, mit dem sich Entwurfs- und Konstruktionsvarianten in Bezug auf Form, Konstruktion sowie Fertigungsaufwand, Bauzeit und Kosten vergleichen ließen. Gestalterische Entscheidungen konnten so frühzeitig mit ihren baulichen Konsequenzen verknüpft und gezielt angepasst werden. Zugleich unterstützte BIM die Normierung und Standardisierung komplexer Sonderlösungen. Wiederkehrende Bauteilfamilien, Paneeltypen und Anschlussdetails wurden aus der Gesamtgeometrie abgeleitet und in regelbasierte Systeme überführt. So entstand innerhalb der hochdifferenzierten Architektur eine konstruktive Ordnung, die industrielle Fertigung, Qualitätssicherung und logistische Abläufe wesentlich vereinfachte. Das BIM-Modell fungierte somit nicht als nachgelagertes Planungswerkzeug, sondern als operatives Medium zur Übersetzung architektonischer Intentionen in baubare Systeme.

Digitaler Zwilling und Bauprozess

In der Ausführungsphase wurde das digitale Modell konsequent zu einem digitalen Zwilling weiterentwickelt. Der Stahlrohbau des Museums wurde mittels 3D-Scanning erfasst und als Punktwolkenmodell in das bestehende BIM-System integriert. Ein Netzwerk definierter Kontrollpunkte ermöglichte den kontinuierlichen Abgleich zwischen digitalem Modell und realem Baufortschritt. Dadurch wurden geometrische Abweichungen frühzeitig erkenn- und steuerbar. Der digitale Zwilling diente somit der operativen Kontrolle von Geometrie, Toleranzen und Montageabfolgen und bildete die Grundlage für die präzise Umsetzung der komplexen Freiformarchitektur.

Auf dieser Basis kamen robotergestützte Vermessungs- und Positionierungssysteme zum Einsatz, die Einbaupunkte direkt aus dem digitalen Modell auf die Baustelle übertrugen. Ergänzend kamen robotische Mehrpunkt-Formgebungsverfahren zum Einsatz, um die gekrümmten Fassadenelemente mit hoher Maßgenauigkeit herzustellen. In Verbindung mit RFID-basiertem Materialtracking entstand ein durchgängiges System, in dem Planung, Fertigung und Ausführung synchronisiert wurden. So konnte die komplexe architektonische Figur in ihrer räumlichen Klarheit umgesetzt werden, ohne dass die zugrunde liegende Entwurfsidee zugunsten konstruktiver Zwänge reduziert wurde.

Ein futuristisches längliches und abgerundetes Gebäude, welches in Grünanlagen und Straßenzüge eingebettet liegt. Im Hintergrund eine Hochhaus-Skyline.
© Virgile Simon Bertrand
In maximaler Qualität herunterladen
Ein futuristisches Gebäude, bestehend aus mehreren Ebenen mit unterschiedlich großen geschwungenen Balkonen, die an den Rändern und auf einzelnen Dächern bewachsen sind.
© Virgile Simon Bertrand
In maximaler Qualität herunterladen
Ein futuristisches Gebäude, bestehend aus mehreren Ebenen, liegt über einem stufigen begrünten Hang und reflektiert silbern in der Abendsonne.
© Virgile Simon Bertrand
In maximaler Qualität herunterladen
Ein großes futuristisches geschwungenes silbernes Gebäude mit einer großen Glasfront auf einem grünen Hügel während der Abenddämmerung.
© Virgile Simon Bertrand
In maximaler Qualität herunterladen
Eine 3D-Grafik eines futuristisch geschwungenen Gebäudes, welches in seine einzelnen Bauabschnitte unterteilt und beschriftet ist.
© Zaha Hadid Architects
Konstruktionsschema Fassadensystem
In maximaler Qualität herunterladen
Eine 3D-Grafik eines futuristisch geschwungenen Gebäudes, welche farblich die Außenflächen in flache, Einzel- oder Doppelkurven darstellt.
© Zaha Hadid Architects
Visualisierung der Verteilung von einfach gekrümmten und doppelt gekrümmten Platten
In maximaler Qualität herunterladen
Der Rohbau ohne Außenfassade eines geschwungenen modernen Gebäudes mit einem Bauzaun und einem Vermessungsgerät davor.
© Zaha Hadid Architects
Anwendung neuer intelligenter Bautechnologien während der Bauphase; 3D-Scan vor Ort
In maximaler Qualität herunterladen
Ein Mann steht an einem Vermessungsgerät unter freiem Himmel vor einer Baustelle mit einem Baukran und zahlreichen herumlaufenden Arbeitern.
© Zaha Hadid Architects
Positionierung und Installation der Fassadenelemente auf Basis der Roboterpositionierung und -scans
In maximaler Qualität herunterladen
Das Fenster eines Chinesisch sprachigen Computerprogramms, in dem die Außenfassade eines rund geschwungenen Gebäudes dargestellt ist.
© Zaha Hadid Architects
Materialvisualisierungs-Managementsystem
In maximaler Qualität herunterladen
Ein futuristisches längliches und abgerundetes Gebäude, welches in Grünanlagen und Straßenzüge eingebettet liegt. Im Hintergrund eine Hochhaus-Skyline.
Ein futuristisches Gebäude, bestehend aus mehreren Ebenen mit unterschiedlich großen geschwungenen Balkonen, die an den Rändern und auf einzelnen Dächern bewachsen sind.
Ein futuristisches Gebäude, bestehend aus mehreren Ebenen, liegt über einem stufigen begrünten Hang und reflektiert silbern in der Abendsonne.
Ein großes futuristisches geschwungenes silbernes Gebäude mit einer großen Glasfront auf einem grünen Hügel während der Abenddämmerung.
Der Innenbereich eines hallenartigen futuristischen Gebäudes mit geschwungenen blau-grauen Wänden und zahlreichen Besuchern.
Der Innenbereich eines hallenartigen futuristischen Gebäudes mit geschwungenen Lichtleisten an der Decke und zahlreichen Besuchern.
Ein futuristischer Ausstellungsbereich mit riesiger Leinwand, Säulen, Bögen und Informationsständen, an denen sich zahlreiche Besucher tummeln.
Ein großer silbern eingefasster Globus mit mehreren Videostationen davor, an denen Besucher gefilmt und auf den Globus projiziert werden.
Eine 3D-Grafik eines futuristisch geschwungenen Gebäudes, welches in seine einzelnen Bauabschnitte unterteilt und beschriftet ist.
Eine 3D-Grafik eines futuristisch geschwungenen Gebäudes, welche farblich die Außenflächen in flache, Einzel- oder Doppelkurven darstellt.
Der Rohbau ohne Außenfassade eines geschwungenen modernen Gebäudes mit einem Bauzaun und einem Vermessungsgerät davor.
Ein Mann steht an einem Vermessungsgerät unter freiem Himmel vor einer Baustelle mit einem Baukran und zahlreichen herumlaufenden Arbeitern.
Das Fenster eines Chinesisch sprachigen Computerprogramms, in dem die Außenfassade eines rund geschwungenen Gebäudes dargestellt ist.

Projektdaten

Bauherr:The Bureau of Public Works of Shenzhen Municipality
Nutzer: The Shenzhen Association for Science and Technology
Entwurf / Design: Zaha Hadid Architects (ZHA)
in Kooperation mit Beijing Institute of Architectural Design Co. Ltd. (BIAD)

Zum Seitenanfang